Seit letztem Jahr ist offiziell, was wir uns natürlich schon lange gedacht haben: Finnland ist das glücklichste Land der Welt! Zumindest ist es das laut dem World Happiness Report 2018 – und auch der World Happiness Report 2019 stuft Finnland erneut auf Platz eins ein.
Dicht gefolgt von Norwegen, Dänemark und Island. In den nördlichen Ländern scheinen demnach allgemein sehr glückliche Menschen zu leben. Aber kann man Glück überhaupt messen? Oder gar die glücklichste Nation der Welt küren? Glück und glücklich sein sind doch eher subjektive Empfindungen, aber natürlich gibt es individuelle Kriterien die wichtig für die Zufriedenheit der Menschen sind.

Was ist Glück?

Ist das Glück des Einzelnen abhängig vom individuellen materiellen Wohlstand? Oder ist Glück unabhängig von Wohlstand und zeichnet sich stattdessen durch ein sinnvolles Leben aus, losgelöst von materiellen Dingen? Sind wir glücklich, wenn es uns selbst besser geht als anderen? Oder ist Glück doch eher ein Gemeinschaftsgefühl, kollektiv empfundene Freude?
Ist wirklich jeder seines eigenen Glückes Schmied, oder fällt uns Glück durch Zufall in den Schoß? – oder eben nicht?

Wer entscheidet darüber, ob wir glücklich sind? Andere? Wir selbst? Oder gar eine Statistik? Eine Zahl? Unser Wohnort? Ist es Glück immer mehr zu wollen und auch zu bekommen, oder liegt das Glück in der Zufriedenheit mit dem Istzustand?

Kleiner Steg mitten in Helsinki.

Wer die richtigen Antworten haben will, muss nur die richtigen Fragen stellen – so ist es auch bei Statistiken

Denn eine andere Statistik besagt, dass Finnland, das Land mit der höchsten Selbstmordrate ist. Was bedeutet das nun wieder? Ist man in Finnland entweder einfach nur glücklich, oder so depressiv, dass man sich das Leben nimmt? Der eine Teil so und der andere so? Und was liegt dazwischen?

Fakt ist, dass Finnland einen gut funktionierenden Sozialstaat hat, das unabhängigste Justizsystem der Welt, ein hohes Bruttoinlandsprodukt und ein hohes Einkommensniveau mit einer geringen Schere zwischen den Gehältern. Außerdem war Finnland das erste Land, in dem Frauen das Wahlrecht bekamen. Das bietet dem Einzelnen natürlich Sicherheit und gleichzeitig eine individuelle Wertschätzung.

Wenn man sich selbst fragt, was einen glücklich macht, dann fällt auf: Eigentlich findet man all das in Finnland.

Finnisches Lebensgefühl – das eigene Boot gehört für viele mit dazu.

Hier ein paar persönliche Beispiele vom Team Finnland Rundreisen:

Natur – Durchschnittlich verbringt jeder Finne 2-3 Mal die Woche bewusst Zeit in der Natur. Einen Großteil davon natürlich im eigenen Sommerhaus, dem Mökki. Hier sind alle gleich. Ein Wochenende in einem Mökki, mitten im finnischen Wald, an einem kleinen See erdet einfach jeden.

Chancengleichheit – Finnland ist weltoffen und voller unbegrenzter Möglichkeiten, unabhängig von Geschlecht, Religion oder Herkunft.

Gute Schulbildung – Während Deutschland jedes mal vor der Pisa-Studie zittert, kann Finnland dieser ganz relaxed entgegenblicken, schneiden finnische Schulkinder doch immer überdurchschnittlich gut ab. Auch das Berufsleben ist geprägt von einem hohen Niveau und gleichzeitig einer flachen Hierarchie. Zusammenarbeit und gegenseitiges Vertrauen sind keine Floskeln, sondern werden gelebt. Außerdem lassen sich Familie und Beruf unproblematisch miteinander verbinden. So bekommt eine Mutter ein Jahr nach der Geburt volle Bezüge, bei vollem Gehalt.

Der Sport – Finnen lieben Sport und der Rest der Welt liebt sportliche Finnen. Vor allem beim Eishockey, im Motorsport und auf Skiern begeistern Finnen nicht nur die eigenen Landsleute.

Gelassenheit – In Finnland hat man den Eindruck hier ticken die Uhren noch anders, selbst in der Hauptstadt. Wenn die Bahn mal 1,5 Stunden Verspätung wegen Schneechaos hat, dann ist das halt so. Es wird geduldig gewartet. Zeit zum Kaffeetrinken 😉

Kaffee – In Finnland leben die glücklichsten Menschen, weil immer und überall gemeinsam Kaffee getrunken wird, die Menschen dadurch zusammenkommen und Zeit miteinander verbringen. Daher ist es kein Wunder, dass die Finnen pro Kopf weltweit den meisten Kaffee trinken…

Back to the roots – Tradition vs. Moderne. Finnen lieben Traditionen, so werden Familienfeste noch sehr traditionell gefeiert, aber auch landestypische Feste wie Midsommar oder das Krabbenfest. Gleichzeitig ist Finnland ein hochmodernes Land mit vielen IT-Firmen, fast so vielen Startups wie im Silicon Valley und selbst mitten im Nirgendwo – sprich Lappland – stellt man fest: 3G!

Strand von Lauttasaari, einen Steinwurf von Helsinkis Zentrum entfernt.

Saunen – Hier werden die wirklich wichtigen Entscheidungen getroffen. In Finnland gibt es Schätzungen zufolge zwischen zwei und drei Millionen Saunen – und das bei einer Einwohnerzahl von 5,4 Millionen Finnen.

Kalsarikänni – Das Gefühl, wenn man sich allein zu Hause, nur mit Unterwäsche bekleidet, betrinkt – ohne jegliche Absicht, noch auszugehen. Das finnische Hygge sozusagen.

Gute Musik – In Finnland gibt es prozentual gesehen die meisten Metalbands. Studien der Universitäten von Queensland und California haben gezeigt, dass Metalfans, trotz oft härterer Jugend, im Alter glücklicher und ausgeglichener sind als Menschen mit anderem Musikgeschmack.

Das Jedermannsrecht – auf Finnisch „Jokamiehenoikeus“. Wenn es keine Grenzen gibt, können diese auch nicht überschritten werden. Dies sorgt für weniger Konfliktpotenzial und einen von Natur aus respektvolleren Umgang mit Besitz und eben dem, was allen gehört.

Gesunder Humor – Dass Finnen keine Emotionen zeigen, ist ein weit verbreiteterer Irrglaube, man muss nur genauer hinschauen. Sie können sehr gut und sehr viel über sich selbst lachen. Wir sagen nur VeryFinnishProblems!

In diesem Sinne, auf nach Finnland! – Übrigens eine andere Umfrage hat gezeigt, dass in Finnland 2018 auch die glücklichsten Zuwanderer lebten. Also, es gibt noch Hoffnung für alle unglückliche Nicht-Finnen.

Bilder: © Nina Müller-Plückthun