Tampere trägt oft den Zusatz „Industriestadt“, in dem Fall zwar äußerst positiv besetzt, mit viel Charme und Kultur, aber die wenigsten würden hier eines der schönsten und größten Holzhausviertel Finnlands erwarten. Das Zentrum der Stadt ist geprägt von gelbem Jugendstil und rotem Backstein. Man muss schon ein bisschen laufen, um in das malerische Pispala zu gelangen, welches sich oberhalb der Stadt auf dem Hügel Pispalanharju befindet. Das Viertel erzählt die Geschichte Tamperes vor der Industrialisierung. Die Gegend war erst Farmland und später Heimat vieler Arbeiterfamilien, bis heute hat sie sich ihren ländlichen Charakter bewahrt.

Der Weg nach Pispala

Natürlich fährt auch ein Bus aus dem Zentrum nach Pispala, aber warum nicht laufen, der Weg ist leicht zu finden. Durch einen herrlichen Kiefernwald geht es vorbei am Pyynikki-Aussichtsturm. Hier darf natürlich das traditionelle Munkki nicht fehlen und auch die Aussicht solltet ihr eine Weile genießen. Gestärkt kann es dann weiter den Hügel hinauf gehen, bis ihr die ersten Häuser von Pispala seht:

Hauptstraße von Pispala.

Was diesen Ort besonders macht

Wenn ihr aus dem Wald auf die Hauptstraße von Pispala kommt, habt ihr das Gefühl eine andere Welt zu betreten, eine die heil ist, die nur aus Licht, bunten Farben und verwunschenen Gärten besteht. Die Straße liegt auf dem Kamm des Hügels und zu beiden Teilen verteilen sich die schönen Holzhäuser an den Hängen. Steile Treppen und enge Gassen führen hinunter bis zu den Ufern der Seen Näsijärvi und Pyhäjärvi.

Blick von Pispala auf den See Näsijärvi.

Hinter jeder Ecke versteckt sich ein neuer schöner Anblick oder Ausblick, oder beides. Überall wachsen Beerensträucher über die weißen Zäune, das Grün der Bäume und das Blau der Seen und des Himmels passen einfach perfekt zu den hellen Holzhäusern. Es ist wirklich wie gemalt. Kein Wunder, dass es viele Künstler hier her zieht, hier liegt der Duft des Bohème in der Luft. Als der Ort 1937 von der Stadt Tampere eingemeindet wurde, ware die Stimmung hier längst nicht so gut, hier lebten viele arme Arbeiterfamilien, die in den Fabriken der Stadt schufteten. Aber die Zeiten haben sich geändert. Heute leben hier viele Familien und es gibt gute Restaurants und Kulturveranstaltungen. Die renovierten Holzhäuser zählen zu den beliebtesten Wohngegenden Tamperes.

Selbst die Mumins haben hier ein Wochenendhaus:

Muminhaus im Garten.

Dieses Gartenhaus ist wohl der Traum jedes finnischen Kindes. Man erwartet richtig, dass gleich die ganze Mumin-Familie um die Ecke kommt. Wer die kleinen Trolle und ihre Freunde nicht kennt sollte das unbedingt nachholen 🙂

Einmal hier, will man eigentlich gar nicht mehr weg, ich jedenfalls würde sofort in jedes dieser wunderschönen bunten Häuser einziehen.

Anwesen in Pispala.

Postkartenmotive

Wenn ihr hier oben seid, müsst ihr unbedingt ein Foto von diesem Haus machen, es ist wahrscheinlich das meistfotografierte Haus von Tampere. Jedenfalls findet ihr es auf fast allen Broschüren und Postkarten zu Tampere.

Das wohl meistfotografierte Haus in Pispala.

Hier blickt ihr übrigens auf den See Pyhäjärvi. Wenn ihr den vielen kleinen Straßen und Treppen auf dieser Seite hinunter folgt, kommt ihr an dessen Ufer, mit Badestrand und den Booten der Anwohner.

Der Badestand von Pispala.

Pispala ist ein wunderschöner Ort, um Ruhe zu finden. Außer auf der Hauptstraße werdet ihr hier nicht allzu vielen Menschen begegnen. Der perfekte Ort zum Verweilen und Träumen.

Fotos: © Nina Müller-Plückthun